15 min Zuletzt auktualisiert: 27.11.2023

Phishing im Fokus: Wie Unternehmen sich vor Cyberkriminellen schützen

In einer digitalisierten Welt, in der jährlich Millionen von Menschen Opfer von Cyberkriminalität werden, ist die Sicherheit unserer persönlichen Informationen wichtiger denn je. Mit der wachsenden Abhängigkeit von digitalen Diensten wächst auch die Kreativität von Cyberkriminellen, die ständig neue Methoden entwickeln, um an sensible Daten zu gelangen. Phishing, eine der gefährlichsten und trügerischsten Methoden bei einem Cyberangriff, stellt dabei eine ernsthafte Bedrohung für Unternehmen und VerbraucherInnen dar. Dieser Artikel bietet einen tiefen Einblick in die Welt des Phishings – von den Grundlagen dessen, was Phishing überhaupt ist, über die verschiedenen Arten und Techniken, bis hin zu effektiven Strategien, um sich und Ihr Unternehmen vor solchen Attacken zu schützen.

Was ist Phishing?

Phishing ist ein Begriff, der durch die Kombination der Worte „Passwort“ und „Angeln“ (im Englischen „fishing“) entstanden ist. Dieser Ausdruck beschreibt eine Technik, die von Cyberkriminellen angewendet wird, um persönliche, sensible oder vertrauliche Informationen wie Zugangsdaten für Online-Banking oder ähnliche Dienstleistungen zu erlangen. Dabei täuschen die AngreiferInnen ihre Opfer durch die Verwendung gefälschter E-Mails, Websites oder Nachrichten, die so gestaltet sind, dass sie als legitime Kommunikation von vertrauenswürdigen Organisationen oder Institutionen erscheinen.

Welche Arten von Phishing gibt es?

Phishing kann in verschiedenen Formen auftreten, hier sind einige der bekanntesten Methoden:

(Spear) Phishing-E-Mails

Diese Variante involviert den Versand von betrügerischen E-Mails, die die EmpfängerInnen dazu bringen sollen, sensible Informationen preiszugeben oder auf schädliche Links zu klicken. Die E-Mails erscheinen oft als legitim und dringend, wodurch die EmpfängerInnen zu schnellen, unüberlegten Handlungen verleitet werden. Besonders Spear Phishing E-Mails sind gefährlich. Sie sind auf ihre Opfer zugeschnitten und enthalten persönliche Anreden, bekannte Namen oder spezifische Informationen, die sie glaubwürdiger erscheinen lassen.

Pharming

Pharming tritt auf, wenn Phisher InternetnutzerInnen auf gefälschte Websites umleiten, auch wenn sie die korrekte URL eingegeben haben. Dies geschieht durch die Manipulation von DNS-Einträgen oder die Infektion des Computers des Opfers. Eine sorgfältige Überprüfung der Website ist erforderlich, um solche Betrugsversuche zu erkennen.

CEO Fraud

Cyberkriminelle geben sich als hochrangige Führungskräfte aus und fordern Mitarbeitende auf, Geld zu überweisen oder sensible Daten, wie interne Zugangsdaten, preiszugeben. Die Überprüfung der E-Mail-Adresse des oder AbsenderIn und des Inhalts der Nachricht ist entscheidend, um diesen Betrug zu erkennen.

Whaling

Ähnlich wie beim CEO Fraud zielen Hacker mit ihren Whaling-Angriffen auf Top-Führungskräfte ab, aber mit einer noch spezifischeren und zielgerichteten Methode. Schutzmaßnahmen umfassen die Beschränkung der öffentlich zugänglichen Informationen und die Stärkung der internen Sicherheitsprotokolle.

Watering Hole Phishing

Die Phisher infizieren Websites, die häufig von Zielgruppen besucht werden, mit Malware, um an sensible Informationen zu gelangen. Dies kann in Form eines Trojaners geschehen, einer Schadsoftware, die als harmlose Software getarnt ist, um die Kontrolle über ein System zu erlangen oder Daten zu stehlen. Umfassende IT-Sicherheitsmaßnahmen sind erforderlich, um solche Angriffe zu verhindern.

 Smishing

Betrügerische SMS-Nachrichten, die EmpfängerInnen dazu verleiten, auf schädliche Links zu klicken oder persönliche Informationen preiszugeben. Die Überprüfung der Quelle der SMS ist entscheidend.

Clone Phishing

AngreiferInnen kopieren legitime E-Mails und ändern die Links oder Anhänge zu schädlichen Versionen. Die Wachsamkeit der EmpfängerInnen ist der beste Schutz gegen diese Art von Angriff.

Evil Twin

Ein gefälschter Wi-Fi-Zugangspunkt, der sich als legitimer Zugangspunkt tarnt, um Daten abzugreifen. Die Nutzung eines VPN und die Vorsicht bei der Verwendung öffentlicher Wi-Fi-Netzwerke können helfen, das Risiko erfolgreicher Cyberangriffe zu minimieren.

Vishing

Voice Phishing erfolgt über Anrufe per Telefon. Die BetrügerInnen geben sich als vertrauenswürdige Instanzen aus, um an private Informationen zu kommen. Es ist ratsam, unbekannte oder verdächtige Anrufe per Telefon zu meiden und bei Unsicherheit die offiziellen Kontaktinformationen der betreffenden Organisation zu verwenden.

Deceptive Phishing

AngreiferInnen imitieren bekannte Unternehmen oder Kontakte, um InternetnutzerInnen auf gefälschte Websites zu locken, wo sie dann ihre Daten, wie zum Beispiel Kreditkartennummern, preisgeben. InternetnutzerInnen sollten vorsichtig mit Links in E-Mails umgehen und sie vermeiden, wo es möglich ist.

Jede dieser Phishing Methoden erfordert spezifische Abwehrmechanismen und ein hohes Maß an Wachsamkeit von Seiten der InternetbenutzerInnen und Unternehmen. Durch Bildung, Aufklärung und den Einsatz moderner Sicherheitstechnologien können BenutzerInnen und Organisationen ihre Chancen verbessern, sich gegen diese betrügerischen Aktivitäten zu schützen.

Wie erkenne ich Phishing E-Mails?

Phishing-E-Mails können manchmal schwierig zu identifizieren sein, da Cyberkriminelle immer raffinierter werden in ihren Methoden. Es ist jedoch möglich, sie zu erkennen, indem man auf bestimmte Merkmale achtet.

Merkmale von Phishing-E-Mails:

Ungewöhnlicher oder dringender Ton

Eine E-Mail, die sofortiges Handeln erfordert, Drohungen enthält oder Dringlichkeit suggeriert, deutet meist auf einen Cyberangriff hin und sollte daher Anlass zur Vorsicht geben. Beispielsweise könnten Nachrichten, die besagen, dass Ihr Konto gesperrt wird, wenn Sie nicht sofort reagieren, ein Anzeichen für Phishing sein.

Abfrage sensibler Informationen

Seien Sie misstrauisch, wenn Sie aufgefordert werden, persönliche oder finanzielle Informationen direkt über einen Link oder ein Formular in der E-Mail zu übermitteln. Legitime Unternehmen fordern solche Informationen in der Regel nicht per E-Mail an.

Links oder Anhänge

Vorsicht ist geboten, wenn die E-Mail Links oder Anhänge enthält, besonders wenn sie in Verbindung mit einer Aufforderung zur Eingabe persönlicher Informationen stehen. Überprüfen Sie die URL, indem Sie den Mauszeiger darüber halten, um sicherzustellen, dass sie zu einer legitimen Domain führt.

Ungenauigkeiten in der Sprache

Obwohl die Hacker Phishing-E-Mails heutzutage oft gut formulieren, können immer noch sprachliche Ungenauigkeiten oder Fehler ein Indikator für betrügerische Absichten sein.

Unbekannte oder ungewöhnliche AbsenderInnen

Wenn eine E-Mail von einem oder einer unbekannten AbsenderIn kommt oder das Anliegen ungewöhnlich erscheint, auch wenn sie von einer bekannten Person oder Organisation zu stammen scheint, ist es ratsam, die E-Mail genau zu prüfen.

Tipps zur Erkennung von Phishing E-Mails 

  • Überprüfen Sie die E-Mail-Adresse genau auf Schreibfehler oder subtile Abweichungen, die auf eine Fälschung hindeuten könnten – Kriminelle erstellen oft E-Mail-Adressen, die echten sehr ähnlich sehen.
  • Verifizieren Sie die Identität des oder der AbsenderIn, indem Sie die Kontaktinformationen auf der offiziellen Website des Unternehmens überprüfen oder die Person direkt anrufen, falls sie bekannt ist.
  • Verwenden Sie E-Mail-Filter und regelmäßige Updates der Sicherheitssoftware, um Ihr Risiko zu minimieren.
  • Geben Sie niemals persönliche oder finanzielle Informationen preis, ohne die Anfrage zuerst gründlich zu überprüfen.
  • Wenn Sie Zweifel an der Legitimität einer E-Mail haben, ist es am besten, sie zu ignorieren oder direkt beim Unternehmen nachzufragen, bevor Sie Maßnahmen ergreifen.

Wie erkenne ich Phishing Websites?

Phishing-Websites sind darauf ausgelegt, Daten zu stehlen, indem sie die Erscheinung vertrauenswürdiger Websites nachahmen. Hier sind einige Tipps, um solche betrügerischen Seiten zu identifizieren:

  1. Nicht allein auf „https://“ verlassen: Früher galt das Vorhandensein von „https://“ im Browser-Adressfeld als Zeichen einer gesicherten Verbindung. Obwohl dies immer noch auf eine verschlüsselte Verbindung hinweist, nutzen Cyberkriminelle heutzutage oft SSL-Zertifikate für ihre betrügerischen Websites. Daher reicht es nicht mehr aus, nur nach diesem Indikator zu suchen.
  2. Links sorgfältig prüfen: Bevor Sie einen Link aus E-Mails oder sozialen Netzwerken anklicken, prüfen Sie die URL genau. Verdächtige Zeichen oder Zahlenkombinationen, besonders wenn sie in Kombination mit bekannten Markennamen auftreten (z.B. „www.135x-bank.de„), könnten auf eine Phishing-Website hinweisen.
  3. Unerwartete Dateneingabe: Wenn Sie dazu aufgefordert werden, TANs einzugeben, obwohl Sie keine Transaktion initiiert haben, oder wenn Sie gebeten werden, bekannte Daten (z.B. Name, Adresse, Kreditkartennummer oder IBAN) erneut einzutragen, besonders nach dem Login auf Bank-Websites, sollten Sie sehr vorsichtig sein.

Wie vermeide ich Phishing im Unternehmen

Um Phishing effektiv im Unternehmen zu verhindern, ist ein mehrschichtiger Ansatz notwendig, der sowohl technische Sicherheitsmaßnahmen als auch die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden umfasst. Hier sind einige essenzielle Schritte, die Ihr Unternehmen ergreifen sollte, um sich gegen Phishing zu schützen:

  • Implementieren Sie eine robuste Sicherheitsinfrastruktur: Zu den technischen Maßnahmen gehören fortschrittliche E-Mail-Filter, die betrügerische Nachrichten erkennen und blockieren können, sowie Anti-Malware-Programme und Firewalls, die dazu beitragen, die Sicherheitslücken zu schließen, durch die Phishing Angriffe erfolgen könnten.
  • Regelmäßige Schulungen und Aufklärung: Mitarbeitende sollten regelmäßig über die neuesten Phishing Methoden und die Dringlichkeit der Aufmerksamkeit gegenüber verdächtigen E-Mails oder Nachrichten informiert werden. Zu dieser Ausbildung gehören auch Simulationen von Phishing Angriffen, damit Mitarbeitende praktische Erfahrungen sammeln können.
  • Implementierung strenger Zugriffsrechte: Beschränken Sie den Zugriff auf sensible Unternehmensdaten auf diejenigen Mitarbeitenden, die diese für ihre Arbeit benötigen. Durch die Verringerung der Anzahl der Personen, die Zugriff auf kritische Informationen haben, reduzieren Sie das Risiko eines erfolgreichen Phishing Angriffs.
  • Verwendung von Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA): Selbst wenn Cyberkriminelle es schaffen, Anmeldeinformationen zu erlangen, kann MFA einen zusätzlichen Sicherheitslevel bieten, der verhindert, dass sie Zugriff auf Unternehmenssysteme erhalten.
  • Richtlinien zur Passwortsicherheit: Ermutigen Sie die Mitarbeitenden, starke Kennwörter zu verwenden und diese regelmäßig zu ändern. Passwortmanager können dabei helfen, die Verwaltung von sicheren Kennwörtern zu erleichtern.
  • Erstellen einer Richtlinie zur E-Mail-Nutzung: Stellen Sie klare Regeln auf, wie mit E-Mail-Anhängen, Links und Anfragen nach persönlichen Informationen umgegangen werden soll. Mitarbeitende sollten wissen, wie sie vorgehen müssen, wenn sie eine verdächtige E-Mail erhalten.
  • Schnelle Reaktionspläne: Haben Sie einen Plan für den Fall, dass ein Phishing-Angriff erfolgreich ist. Schnelle Reaktionsmaßnahmen können den Schaden begrenzen und eine Ausbreitung des Angriffs verhindern.
  • Offene Kommunikationskanäle: Schaffen Sie eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeitende ermutigt werden, verdächtige Aktivitäten ohne Angst vor Schuldzuweisungen zu melden.
  • Durchführung regelmäßiger Sicherheitsüberprüfungen und -audits: Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Sicherheitspraktiken und -protokolle, um sicherzustellen, dass sie aktuell sind und die neuesten Bedrohungen abdecken.
  • Kontinuierliche Verbesserung: Die Methoden von Cyberkriminellen entwickeln sich ständig weiter. Daher sollte auch die Sicherheitsstrategie eines Unternehmens niemals statisch sein. Bleiben Sie über die neuesten Phishing-Taktiken informiert und passen Sie Ihre Verteidigungsmaßnahmen entsprechend an.

Fazit

Phishing bleibt eine der hartnäckigsten und wandelbarsten Herausforderungen in der digitalen Welt. Cyberkriminelle nutzen bei Ihren Cyberangriffen eine Vielzahl von Methoden, von einfachen Phishing-E-Mails bis hin zu ausgeklügelten CEO-Fraud-Taktiken, um an wertvolle persönliche und unternehmenskritische Daten zu gelangen. Trotz fortschrittlicher Technologien im Kampf gegen Phishing kommt es letztlich auf die Wachsamkeit und das Bewusstsein aller Einzelnen an, um sich und das eigene Unternehmen vor solchen Bedrohungen zu schützen. Das Erkennen verdächtiger E-Mails, das kritische Überprüfen von Internetseiten und die Zurückhaltung bei der Preisgabe persönlicher Informationen sind grundlegende Fähigkeiten, die stets geschärft werden sollten. Unternehmen sind gefordert, nicht nur in technische Abwehrmechanismen zu investieren, sondern auch in die kontinuierliche Sensibilisierung ihrer Mitarbeitenden. Die Implementierung mehrschichtiger Sicherheitsprotokolle, wie Multi-Faktor-Authentifizierung und strenge Passwortrichtlinien, trägt dazu bei, das Risiko für erfolgreiche Cyberangriffe zu minimieren. Abschließend ist es wichtig zu betonen, dass Phishing nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine Frage der Bildung und des Bewusstseins ist. Alle NutzerInnen sind ein potenzielles Ziel, und nur durch die Kombination von technologischen Tools und informiertem, vorsichtigem Verhalten können wir die Gefahr, die von Phishing ausgeht, erfolgreich minimieren.

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