12 min Zuletzt auktualisiert: 10.06.2025

Gendern: So gelingt geschlechtergerechte Sprache

Unsere Sprache formt unsere Wirklichkeit. Was wir sagen, beeinflusst, wie wir denken und handeln – das gilt auch im Unternehmenskontext. Mit gendergerechter Sprache zeigen Unternehmen, dass sie Gleichberechtigung und Vielfalt nicht nur als Ziel haben, sondern auch aktiv umsetzen. Durch kleine Anpassungen in der täglichen Kommunikation kann eine große Wirkung erzielt werden. 

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, warum Gendern so wichtig ist und wie Sie gendergerechte Sprache erfolgreich in Ihre Unternehmenskommunikation integrieren können.

Was bedeutet Gendern?

Gendern bedeutet, die Sprache so zu gestalten, dass alle Geschlechter angesprochen und sichtbar gemacht werden. Traditionell verwendet die deutsche Sprache häufig das sogenannte generische Maskulinum. Das heißt, dass die männliche Form eines Wortes oft für alle Geschlechter benutzt wird, zum Beispiel „Lehrer“ für männliche und weibliche Lehrkräfte. Doch das führt dazu, dass Frauen und andere Geschlechter oft in der Sprache unsichtbar bleiben.

Seit der Einführung der dritten Geschlechtsoption „divers“ im Jahr 2018 stellt sich vermehrt die Frage, wie man auch Menschen anspricht, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen. Gendern ist deshalb relevant, weil es mehr Gerechtigkeit in der Sprache schafft und alle Menschen gleichberechtigt anspricht.

Immer mehr Unternehmen, Behörden und Bildungseinrichtungen erkennen, dass eine geschlechtergerechte Sprache wichtig ist, um Vielfalt zu fördern und niemanden auszuschließen. Gendern trägt dazu bei, dass Sprache fairer und inklusiver wird, und schafft ein Bewusstsein für Gleichberechtigung in der Gesellschaft.

Gendergerechte Sprache: Methoden und Debatte

Die Diskussion um geschlechtergerechte Sprache reicht in Deutschland bis in die 1970er Jahre zurück. Schon damals erkannten Sprachwissenschaftler:innen und Gesellschaftskritiker:innen, dass Sprache einen großen Einfluss darauf hat, wie wir Geschlechter wahrnehmen – und damit auch darauf, wie Gleichberechtigung in der Gesellschaft gelebt wird.

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Ansätze entwickelt, um Sprache gerechter zu gestalten:

  • Beidnennung (z. B. „Lehrerinnen und Lehrer“)
  • Neutralisierung (z. B. „Lehrkraft“ statt „Lehrer“ oder „Lehrende“ statt „Lehrer“)
  • Verwendung von Gender-Zeichen wie dem Sternchen, dem Unterstrich oder dem Doppelpunkt (z. B. „Lehrer*innen“, „Lehrer_innen“, „Lehrer:innen”)
  • Binnen-I (z.B. LehrerInnen)

Während das Gendersternchen in den letzten Jahren als Symbol für geschlechtergerechte Sprache in den Vordergrund trat, wird zunehmend auch der Doppelpunkt verwendet, da dieser als inklusiver und barrierefreier angesehen wird. Die barrierefreie Gestaltung von Sprache, insbesondere für Menschen mit Leseschwächen oder Sehbehinderungen, spielt in der Debatte ebenfalls eine wichtige Rolle.

Besonders das Gendersternchen ist in den letzten Jahren als Symbol für gendergerechte Sprache bekannt geworden. Gleichzeitig gewinnt der Doppelpunkt an Bedeutung, da er als barriereärmer gilt – vor allem für Menschen mit Leseschwächen oder Sehbehinderungen.

Die Debatte ums Gendern polarisiert: Während die einen es als wichtigen Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung sehen, empfinden andere es als überflüssige oder störende Veränderung der Sprache. Eine gesetzliche Pflicht zum Gendern gibt es in Deutschland nicht, doch viele Institutionen und Unternehmen haben eigene Richtlinien entwickelt.

Die Frage bleibt: Welche Form des Genderns ist die beste?
Studien zeigen, dass Gendern dazu beitragen kann, Frauen sichtbarer zu machen und Geschlechterstereotype abzubauen. Eine einheitliche Empfehlung, welche Methode am besten geeignet ist, gibt es jedoch bislang nicht.

Gendern im Unternehmenskontext: Warum es wichtig ist

Für Unternehmen ist es heute entscheidend, eine moderne und inklusive Sprache zu verwenden – sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation. Gendergerechte Sprache spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie das Unternehmensimage, die Mitarbeiterbindung und die Ansprache der Zielgruppen direkt beeinflusst.

  • Modernes Image: Die Verwendung gendergerechter Sprache signalisiert, dass das Unternehmen zeitgemäße Werte lebt und Respekt zeigt. Dies stärkt besonders die Außenwahrnehmung und macht das Unternehmen attraktiver für junge Talente und moderne Kundengruppen.
  • Mitarbeiterbindung und Motivation: Mitarbeitende, die sich sprachlich einbezogen fühlen, sind motivierter und stärker mit dem Unternehmen verbunden. Gendergerechte Sprache vermittelt Wertschätzung und stärkt das Gefühl von Gleichbehandlung, was positiv auf die Arbeitszufriedenheit wirkt.
  • Vermeidung von Diskriminierung: Durch gendergerechte Kommunikation wird unbewusste Diskriminierung vermieden. Alle Geschlechter werden gleichwertig angesprochen, was zu einer faireren und respektvolleren Unternehmenskultur beiträgt.
  • Ansprache breiterer Zielgruppen: In der Kunden- und Bewerberkommunikation ermöglicht gendergerechte Sprache eine inklusive Ansprache. Dies erweitert den Talentpool und sorgt dafür, dass sich mehr Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, angesprochen fühlen.
  • Stärkung der Unternehmenskultur: Gendern fördert eine offene, respektvolle Unternehmenskultur, in der Vielfalt als Stärke wahrgenommen wird. Dies unterstützt die langfristige Entwicklung eines positiven und inklusiven Arbeitsumfelds.

Insgesamt sorgt gendergerechte Sprache dafür, dass Unternehmen als modern, inklusiv und zukunftsorientiert wahrgenommen werden – intern wie extern.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Der Einsatz gendergerechter Sprache ist in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben. Seit der Einführung des dritten Geschlechts im Geburtenregister gibt es jedoch Empfehlungen zur geschlechtergerechten Kommunikation, die Unternehmen freiwillig umsetzen können.

ArbeitgeberInnen dürfen von ihren Mitarbeitenden verlangen, in der dienstlichen Kommunikation zu gendern, haben aber keine gesetzliche Pflicht, dies durchzusetzen. Dies gilt sowohl für die interne Kommunikation als auch für die Kundenansprache. Die Rechtsprechung hat bisher keine klare Linie, ob Beschäftigte das Recht haben, nicht gegendert zu werden.

Stellenausschreibungen und Gendern

Ein besonders sensibler Bereich ist die Formulierung von Stellenausschreibungen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie keine Geschlechter benachteiligen. Die Verwendung neutraler Bezeichnungen wie „(m/w/d)“ oder „all genders“ hat sich durchgesetzt. Studien zeigen, dass geschlechtergerechte Sprache die Vielfalt der Bewerbenden erhöht und gleichzeitig rechtliche Risiken minimiert.

Praktische Tipps zur Einführung von gendergerechte Sprache im Unternehmen

Die Einführung von gendergerechter Sprache kann eine Herausforderung sein, insbesondere in Unternehmen, die bislang konservativer kommuniziert haben. Mit einigen praktischen Schritten lässt sich dieser Prozess aber erfolgreich und ohne größere Reibungen gestalten:

  • Die Zielgruppe analysieren: Bevor ein Unternehmen gendergerechte Sprache einführt, sollte es sich fragen, wer die Zielgruppe ist – sowohl intern als auch extern. Handelt es sich um ein junges, progressives Team oder eher um eine konservative Belegschaft? Ist die Kundschaft offen für moderne Ausdrucksformen oder erwartet sie traditionellere Kommunikation? Diese Überlegungen helfen dabei, die passende Genderstrategie zu entwickeln.
  • Sensibilisierung und Schulungen anbieten: Gendern sollte im Unternehmen nicht einfach „von oben“ verordnet werden. Stattdessen ist es ratsam, die Mitarbeitenden mit ins Boot zu holen. Schulungen, Workshops und Informationsveranstaltungen bieten die Möglichkeit, die Vorteile gendergerechter Sprache zu erklären und Unsicherheiten abzubauen.
  • Eine einheitliche Richtlinie erstellen: Ein Leitfaden zur gendergerechten Sprache schafft Klarheit und hilft, Missverständnisse zu vermeiden. In diesem Leitfaden sollten Regeln festgelegt werden, wie gendergerechte Sprache im Unternehmen umgesetzt wird. Dazu gehören konkrete Empfehlungen, etwa ob das Gendersternchen (*), der Doppelpunkt (:) oder eine andere Form bevorzugt wird. 
  • Doppelnennungen und neutrale Begriffe verwenden: In vielen Fällen kann gendergerechte Sprache elegant durch die Verwendung von Doppelnennungen („Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“) oder neutralen Begriffen („Studierende“ statt „Studenten“) eingeführt werden. Wo neutrale Begriffe unhandlich sind, ist es ratsam, auf Doppelnennungen zurückzugreifen, um niemanden auszuschließen.
  • Kreative Ansätze für schwierige Formulierungen: Gerade bei längeren Texten oder in der Stellenausschreibung kann es schwerfallen, gendergerechte Sprache ohne komplizierte Konstruktionen zu verwenden. Hier hilft es, kreative Lösungen zu finden, etwa den Einsatz des Schrägstrichs („Mitarbeiter/-in“) oder neutralen Alternativen („Nutzende“ statt „Benutzer“).
  • Auf den Ton und das Feingefühl achten: Ein sensibles Gespür für die Zielgruppe und die eigene Belegschaft ist unerlässlich. Unternehmen sollten sich Zeit nehmen, um die richtige Balance zu finden und auf Kritik offen, sachlich und gelassen zu reagieren.

Fazit

Gendern ist ein wesentlicher Bestandteil einer modernen, inklusiven Unternehmenskultur. Es hilft nicht nur, ein positives Image zu fördern, sondern auch die Mitarbeitenden zu motivieren und neue Talente anzuziehen. Unternehmen, die gendergerechte Sprache einführen, sollten den Prozess gut vorbereiten, ihre Belegschaft einbeziehen und klare Leitlinien aufstellen. So gelingt die Umsetzung ohne größere Reibungen – und mit großem Mehrwert für das Unternehmen und die Gesellschaft.


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