Eine Datenschutzverletzung kann für Unternehmen nicht nur erheblichen Reputationsschaden bedeuten, sondern auch massive finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Im Jahr 2024 ist der Schutz personenbezogener Daten wichtiger denn je, und Verletzungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) werden mit hohen Bußgeldern bestraft. Unternehmen jeder Größe müssen sich den potenziellen Risiken bewusst sein und geeignete Maßnahmen ergreifen, um hohe Strafen zu vermeiden.
Aber was genau kostet eine Datenschutzverletzung im Jahr 2024? In diesem Artikel beleuchten wir die aktuellen Entwicklungen, die Bußgeldpraxis und geben einen Überblick über die Faktoren, die die Höhe der Strafen beeinflussen.
Uber geriet in die Kritik, weil es Daten von 172 FahrerInnen ohne ausreichende Schutzmaßnahmen in die USA übermittelte. Die niederländische Datenschutzbehörde reagierte mit einem Rekordbußgeld von 290 Millionen Euro.
2024 wurde Meta eine Strafe in Höhe von 91 Millionen Euro auferlegt, zusätzlich zur Rekordstrafe von 1,2 Milliarden Euro in 2023. Der Grund für die Strafe lag in einem schwerwiegenden Verstoß gegen die DSGVO, bei dem Meta über einen längeren Zeitraum hinweg Passwörter von NutzerInnen in Klartext gespeichert hatte, anstatt sie durch kryptografische Maßnahmen zu schützen.
Enel Energia musste ein Bußgeld von 79,1 Millionen Euro zahlen, weil das Unternehmen 978 Energieverträge von DrittanbieterInnen kaufte, die bereits wegen illegaler Telemarketing-Aktivitäten sanktioniert waren. Zudem ermöglichten Sicherheitsmängel im IT-System unerlaubten Zugriff und den Abschluss illegaler Verträge.
Amazon überwachte die LagerarbeiterInnen mittels Scannern in minutiöser Genauigkeit, um die Produktivität detailliert zu überwachen und speicherte diese Daten übermäßig lange. Ein Vorgehen, das von der französischen Datenschutzbehörde als unangemessen bewertet wurde. Zudem wurden die Arbeitskräfte nicht ausreichend über die Datenerfassung informiert. Das Bußgeld: 32 Millionen Euro.
Clearview AI baute eine Datenbank mit über 30 Milliarden Bildern auf, die von öffentlichen Plattformen wie sozialen Medien gesammelt wurden. Die DPA stellte fest, dass Clearview diese biometrischen Daten ohne rechtliche Grundlage verarbeitet hatte. Außerdem informierte das Unternehmen die betroffenen Personen nicht ausreichend über die Datenverarbeitung und reagierte nicht auf Zugriffsanfragen. Zusätzlich hatte Clearview keinen EU-Vertreter ernannt.

In den ersten Jahren nach Einführung der DSGVO konzentrierten sich die Aufsichtsbehörden zunächst darauf, die Entwicklungen am Markt zu beobachten und Altfälle zu bearbeiten, die noch nicht unter die DSGVO fielen. Abgesehen von einer Strafe in Höhe von 400.000 Euro gegen ein Krankenhaus im Jahr 2018 war diese Anfangsphase sowohl in Bezug auf die Anzahl als auch die Höhe der Strafen eher moderat.
Nach dieser „Orientierungsphase“ intensivierten die Datenschutzbehörden ihre Durchsetzungsmaßnahmen in den Jahren 2019 bis 2022 deutlich. Bereits 2022 wurden erhebliche Strafen gegen große Technologieunternehmen verhängt, aber 2023 übertraf dies alles mit der ersten Strafe im Milliardenbereich, wodurch die Gesamtsumme der verhängten Strafen auf über 4 Milliarden Euro stieg.In der fünften Ausgabe des GDPR Enforcement Tracker Reports (Stichtag: 01. März 2024) sind insgesamt 2.086 Bußgelder verzeichnet (+510 im Vergleich zum Bericht von 2023). Die Gesamtsumme der Strafen beläuft sich nun auf etwa 4,48 Milliarden Euro (+1,71 Milliarden im Vergleich zum GDPR Enforcement Tracker Report 2023). Der Durchschnittsbetrag einer Strafe lag im Zeitraum von 2018 bis 2024 bei 2.142.712 Euro.
Laut dem “Data Breach Report” von IBM stiegen die weltweiten Durchschnittskosten einer Datenschutzverletzung in 2024 auf 4,54 Millionen Euro – ein Anstieg von 10 % im Vergleich zum Vorjahr.
Interessant ist, dass Unternehmen, die auf Sicherheits-KI und Automatisierung setzen, im Durchschnitt 2,06 Millionen Euro einsparen konnten. Diese Technologien helfen dabei, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, was die finanziellen Folgen von Vorfällen erheblich reduziert. Investitionen in moderne Sicherheitslösungen zahlen sich also aus und können im Ernstfall Millionen sparen.
Der “2024 Bericht über Datenschutz und Compliance bei der Kommunikation sensibler Inhalte” von Kiteworks zeigt auch alarmierende Zahlen zur Häufigkeit und Art von Datenschutzverletzungen weltweit. 32 % der befragten Unternehmen gaben an, im vergangenen Jahr sieben oder mehr Datenschutzverletzungen erlebt zu haben.
Die meisten Datenschutzverletzungen treten in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Banken und Versicherungen auf, gefolgt von der Fertigungsindustrie, Technologie, Kommunikation und schließlich dem Einzelhandel.

Die Höhe der Bußgelder richtet sich nach der Schwere der Datenschutzverletzungen und kann bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens betragen – je nachdem, welcher Betrag höher ist. Bei der Berechnung werden mehrere Faktoren berücksichtigt:
Diese Kriterien helfen den Aufsichtsbehörden, das Bußgeld angemessen zu gestalten und sicherzustellen, dass es eine abschreckende Wirkung hat.

Die DSGVO unterscheidet zwischen zwei Kategorien von Datenschutzverletzungen, die jeweils unterschiedliche Höchststrafen nach sich ziehen können:
Diese Datenschutzverletzungen betreffen vor allem administrative und organisatorische Pflichten und ziehen weniger strenge Sanktionen nach sich. Die Höchststrafe beträgt hier bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens – je nachdem, welcher Betrag höher ist.
Zu den minder schweren Verstößen gemäß Art. 83 Abs. 4 DSVO zählen unter anderem:
Neben finanziellen Sanktionen können diese Datenschutzverletzungen auch dazu führen, dass Unternehmen gezwungen werden, ihre Datenschutzrichtlinien zu überarbeiten, zusätzliche technische und organisatorische Maßnahmen umzusetzen und interne Abläufe zu ändern.
Schwere Verstöße nach Art. 83 Abs. 5 DSGVO betreffen grundlegende Prinzipien der DSGVO und können mit Strafen von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Hier geht es insbesondere um Verstöße gegen die Rechte der betroffenen Personen und die grundlegenden Pflichten des Unternehmens hinsichtlich der Datenverarbeitung.
Zu den schweren Verstößen zählen:
Neben erheblichen finanziellen Strafen können diese Datenschutzverletzungen dazu führen, dass Unternehmen gezwungen werden, ihre Datenverarbeitung zu stoppen oder drastisch zu ändern. Die Aufsichtsbehörden können auch Maßnahmen wie ein Verbot der Datenverarbeitung, eine Einschränkung der Datenübermittlung oder die Löschung der rechtswidrig verarbeiteten Daten anordnen.
Datenschutzverletzungen im Jahr 2024 sind mit erheblichen finanziellen und reputationsbezogenen Risiken verbunden. Unternehmen müssen nicht nur mit hohen Bußgeldern rechnen, sondern auch mit langfristigen Auswirkungen wie Anwaltskosten, Schadensersatzforderungen und dem Verlust des Vertrauens ihrer Kunden.
Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass die Aufsichtsbehörden zunehmend härter durchgreifen und Verstöße, insbesondere von großen Unternehmen, mit Rekordstrafen ahnden. Es ist entscheidend, dass Unternehmen umfassende Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen ergreifen, um potenzielle Datenschutzverletzungen zu verhindern und ihre Datenverarbeitungssysteme kontinuierlich zu verbessern. Nur so können sie sich vor den hohen Kosten und Konsequenzen einer Datenschutzverletzung schützen.
