21 min Zuletzt auktualisiert: 31.07.2023

Mobbing am Arbeitsplatz: Verstehen, erkennen und verhindern

Ob es nun Manager, studentische Hilfskräfte oder langjährige Mitarbeitende sind, Mobbing kann alle am Arbeitsplatz treffen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass primär Personen mit AGG-Merkmalen gemobbt werden, zeigen sich die Ursachen und die Auswahl der Mobbingopfer oft als zufällig. Die Führungsebene und die KollegInnen haben die besondere Verantwortung, diskriminierendes Verhalten weder zu dulden noch zu fördern.

Mobbing-Definition 

Das englische Wort „Mobbing“ (abgeleitet von „to mob“) lässt sich mit „schikanieren“ übersetzen. Mobbing ist ein ernstes Problem, das in vielen Umgebungen auftreten kann, einschließlich Schulen, Arbeitsplätzen und sogar in Online-Communities. Es bezeichnet ein Verhalten, bei dem eine Person oder eine Gruppe von Personen wiederholt und über einen längeren Zeitraum hinweg versucht, eine andere Person zu schikanieren, zu belästigen, zu erniedrigen oder einzuschüchtern.

Mobbing kann viele Formen annehmen, darunter:

  • Verbal: Beleidigungen, Demütigungen, ständige Kritik oder Spott.
  • Physisch: Gewalt oder Drohungen mit Gewalt.
  • Psychologisch/Emotional: Anfeindungen, Manipulation, Ausgrenzung, Psychoterror, Ignorieren, Herabsetzung/Unterforderung oder Gerüchte verbreiten.
  • Cybermobbing: Belästigungen oder Angriffe, die online, z. B. über soziale Medien, E-Mail oder Messaging-Dienste stattfinden, zählen zu Cybermobbing.

Mobbing am Arbeitsplatz Beispiele

Mobbing am Arbeitsplatz kann sich auf verschiedene Arten manifestieren. Es ist wichtig, Mobbing zu erkennen, um rechtzeitig Maßnahmen dagegen ergreifen zu können. Hier sind einige Beispiele dafür, wie Mobbing am Arbeitsplatz aussehen kann:

  • Persönliche Angriffe: Dazu gehören beleidigende oder abwertende Kommentare, die oft wiederholt werden, sowohl vor als auch hinter dem Rücken des Mobbingopfers.
  • Professionelle Sabotage: Hierbei werden Aufgaben, Informationen oder Ressourcen vorenthalten, die für eine ordnungsgemäße Ausführung der Arbeit notwendig sind. Es kann auch vorkommen, dass MobberInnen dem Opfer unberechtigterweise Fehler oder Misserfolge zuschreiben.
  • Soziale Isolation: Das Mobbingopfer wird systematisch aus Kommunikationen und sozialen Aktivitäten am Arbeitsplatz ausgeschlossen. Das kann beispielsweise durch Nicht-Einladung zu Meetings oder Betriebsausflügen geschehen.
  • Übermäßige Kritik: Ständige, übertriebene Kritik an der Arbeit des Mobbingopfers, selbst wenn die Qualität der Arbeit objektiv gesehen gut ist.
  • Gesundheitsbedrohungen: Physische Bedrohungen, sexuelle Belästigung oder andauernde Anforderungen, die zu stressbedingten Gesundheitsproblemen führen können, zählen auch zum Mobbing.

Was ist horizontales Mobbing am Arbeitsplatz?

Horizontales Mobbing, auch als laterales Mobbing oder Peer-Mobbing bekannt, bezieht sich auf Mobbingverhalten, das zwischen KollegInnen auf der gleichen Hierarchieebene auftritt. Es handelt sich dabei um systematisches, wiederholtes, aggressives Verhalten, das dazu dient, eine andere Person zu belästigen, zu diskriminieren oder zu demütigen. Die Gründe für horizontales Mobbing können vielfältig und komplex sein und sind oft tief in den interpersonalen Beziehungen und der Kultur eines bestimmten Arbeitsplatzes verwurzelt. 

Was ist Bossing?

„Bossing“ ist ein spezieller Begriff, der für Mobbing durch Vorgesetzte oder Führungskräfte verwendet wird. Es bezeichnet also den Fall, wenn eine Person in einer höheren Position ihre Autorität und Macht missbraucht, um eine oder mehrere Personen in untergeordneten Positionen zu schikanieren, zu belästigen oder zu tyrannisieren. 

Was ist Staffing?

Staffing  ist das Gegenteil von Bossing, bei dem ein(e)  oder mehrere Mitarbeitende von Vorgesetzten angegriffen bzw. gemobbt werden. Obwohl Staffing weniger häufig ist als Bossing, kann es genauso schädlich sein und eine giftige Arbeitsumgebung schaffen. Wie bei anderen Formen von Mobbing können die Methoden von subtil und indirekt bis hin zu offensichtlich und aggressiv reichen. 

Was ist Straining?

„Straining“ bezieht sich auf eine Form von Mobbing, bei der wenige Handlungen einen weitreichenden und anhaltenden negativen Effekt auf das Arbeitsleben der betroffenen Person ausüben. Diese Art von Mobbing kann beispielsweise dann auftreten, wenn dem Mobbingopfer das Büro entzogen wird oder die berufliche Qualifikation infrage gestellt wird.

Was sind Warnzeichen für Mobbing am Arbeitsplatz

Einige Warnzeichen für Mobbing am Arbeitsplatz können subtil und leicht zu übersehen sein, während andere offensichtlicher sind. Sie können jedoch alle auf eine mögliche Mobbingsituation hinweisen:

  • Veränderte Kommunikation: Sie bemerken, dass Sie von Meetings, E-Mails oder anderen wichtigen Kommunikationen ausgeschlossen werden.
  • Anfeindungen: Sie sind wiederholt Ziel von beleidigenden Kommentaren, Gerüchten oder falschen Anschuldigungen.
  • Unterforderung: Ihre Arbeitslast wird plötzlich reduziert, Ihre Aufgaben werden herabgesetzt oder Sie erhalten Aufgaben, die weit unter Ihrem Qualifikationsniveau liegen.
  • Isolation: Sie fühlen sich am Arbeitsplatz ausgegrenzt und isoliert.
  • Stress und Angst: Sie empfinden zunehmend Stress und Angst im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit oder Ihren KollegInnen.
  • Psychoterror: Sie erleben wiederholt psychischen Druck, Schikanen oder Drohungen am Arbeitsplatz.

Wenn Sie einige oder alle dieser Warnzeichen bemerken, könnten Sie sich in einer Mobbingsituation befinden. Es ist wichtig, dass Sie sich bewusst sind, dass Sie nicht die Schuld tragen und dass Sie nicht alleine sind. Es gibt Hilfe und Unterstützung, und Sie haben das Recht, sich gegen Mobbing zu wehren.

Ab wann beginnt Mobbing?

Mobbing am Arbeitsplatz beginnt oft schleichend. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede negative Interaktion oder jedes Missverständnis als Mobbing eingestuft wird. Mobbing am Arbeitsplatz ist ein systematisches, anhaltendes und oft subtil aggressives Verhalten, das über einen längeren Zeitraum (oft mindestens sechs Monate) hinweg stattfindet und darauf abzielt, ein Ziel oder eine Person zu schikanieren, zu belästigen oder zu demütigen. Mobbing ist kein klassisches Geschehen zwischen TäterInnen und Opfern, sondern ein Prozess, der den gesamten sozialen Kontext des Arbeitsplatzes mit einbezieht.   

Was sind die Ursachen von Mobbing am Arbeitsplatz?

Mobbing entsteht häufig in einem Arbeitsumfeld, das diese Art von Verhalten ermöglicht oder sogar fördert. Es sind mehrere Ursachen für Mobbing zu identifizieren, unter anderem:

  • Führungsstil: Autoritäre und unfaire Führungsstile können ein Umfeld schaffen, das Mobbing begünstigt. 
  • Unternehmenskultur: Eine Unternehmenskultur, die Konkurrenz über Zusammenarbeit stellt und nicht auf gegenseitigem Respekt und Wertschätzung basiert, kann ein Nährboden für Mobbing sein.
  • Machtverteilung: In Organisationen, in denen die Machtverteilung stark ungleich ist, können sich Mitarbeitende hilflos und isoliert fühlen, was sie anfälliger für Mobbing macht. 
  • Neid und Konkurrenz: Diese beiden Faktoren können Mobbing auslösen, insbesondere in einem sehr wettbewerbsorientierten Umfeld. 
  • Persönliche Faktoren: Persönliche Schwierigkeiten oder Störungen können ebenfalls zu Mobbing führen. 

Darüber hinaus kann die fehlende oder mangelhafte Kommunikation, unklare oder konfliktreiche Rollen- und Aufgabenverteilung sowie der Mangel an Konfliktlösungsmechanismen in einem Unternehmen ebenfalls zu Mobbing führen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Mobbing eine systemische Ursache hat und nicht nur das Problem einzelner „schlechter Äpfel“. Es erfordert organisatorische Änderungen und eine konsequente Null-Toleranz-Politik gegen Mobbing, um diese Art von Verhalten wirksam zu bekämpfen.

Was tun gegen Mobbing am Arbeitsplatz?

Was können Betroffene gegen Mobbing am Arbeitsplatz tun?

Mobbing am Arbeitsplatz kann eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Wenn Sie sich in einer Mobbingsituation befinden, gibt es mehrere Strategien, die Ihnen helfen können, die Situation zu bewältigen:

  • Mobbingtagebuch führen: Es ist empfehlenswert, dass Sie die Vorfälle von Mobbing dokumentieren. Ein Mobbingtagebuch hilft dabei, die Situation objektiver zu betrachten und bei Bedarf Beweise zu liefern. Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Ort, die beteiligten Personen, den genauen Ablauf des Vorfalls und eventuelle Zeugen. Ein solches Tagebuch kann Ihnen auch dabei helfen, das Ausmaß und die Schwere des Mobbings zu erkennen.
  • Sprechen Sie das Problem an: Wenn Sie sich sicher fühlen, können Sie versuchen, das Problem direkt mit den MobberInnen zu besprechen. Manchmal ist den TäterInnen nicht bewusst, dass ihr Verhalten als schädlich oder belästigend empfunden wird. Es ist jedoch wichtig, dass Sie sich sicher und bereit für solch ein Gespräch fühlen.
  • Unterstützung suchen: Es kann hilfreich sein, das Problem mit vertrauenswürdigen KollegInnen, Vorgesetzten oder dem Betriebsrat zu besprechen. Sie könnten Ihnen dabei helfen, die Situation zu bewältigen oder zu lösen. 
  • Externe Hilfe in Anspruch nehmen: Wenn interne Lösungen nicht funktionieren, können Sie sich an eine externe Beratungsstelle wenden. Dies könnte eine Gewerkschaft, eine Beratungsstelle für Mobbing, ein Anwalt oder ein Therapeut sein.
  • Berufliche Veränderung in Betracht ziehen: Wenn die Situation nicht verbessert werden kann und Ihre psychische Gesundheit ernsthaft gefährdet ist, sollten Sie überlegen, ob ein Arbeitsplatzwechsel die beste Lösung für Sie sein könnte.

Leider fallen viele Menschen in eine passive Opferrolle, wenn sie gemobbt werden. Dies liegt oft daran, dass sie sich entmachtet, isoliert und unsicher fühlen. Sie haben möglicherweise Angst vor Vergeltung oder glauben, dass sie das Mobbing „verdienen“. Es ist wichtig zu betonen, dass niemand es verdient, gemobbt zu werden und dass jeder das Recht hat, in einer sicheren und respektvollen Arbeitsumgebung zu arbeiten. Wer sich in der Opferrolle wiederfindet, sollte nicht zögern, Hilfe und Unterstützung zu suchen, um aus dieser schädlichen Situation herauszukommen.

Was können Unternehmen gegen Mobbing am Arbeitsplatz tun?

Unternehmen können mehrere Maßnahmen ergreifen, um Mobbing am Arbeitsplatz zu bekämpfen und zu verhindern, dazu zählen:

  • Unternehmenskultur: Unternehmen sollten eine Kultur der Offenheit, des Respekts und der Fairness fördern. Dazu gehört, dass alle Mitarbeitenden gleich behandelt werden und dass Diskriminierung und Mobbing nicht toleriert werden.
  • Schulungen und Aufklärung: Unternehmen sollten regelmäßige Schulungen und Informationsveranstaltungen anbieten, um das Bewusstsein für das Thema Mobbing zu erhöhen und zu verdeutlichen, was als Mobbing gilt und was nicht.
  • Kommunikationskanäle: Es sollte klare und sichere Kommunikationskanäle für Mitarbeitende geben, die Mobbing melden möchten. Diese Berichte sollten immer ernst genommen und gründlich untersucht werden.
  • Unterstützung für Mobbingopfer: Unternehmen sollten Unterstützung für Mitarbeitende anbieten, die Mobbing erleben. Das kann die Bereitstellung von Beratungsdiensten, Hilfe beim Umgang mit Stress oder Unterstützung bei der Lösung von Konflikten beinhalten.
  • Anti-Mobbing-Richtlinien: Unternehmen sollten klare Anti-Mobbing-Richtlinien haben, die allen Mitarbeitenden bekannt gemacht werden. Diese Richtlinien sollten klar definieren, was als Mobbing gilt, wie man es melden kann und welche Konsequenzen MobberInnen zu erwarten haben.
  • Präventive Maßnahmen: Unternehmen sollten Maßnahmen zur Prävention von Mobbing ergreifen, z. B. durch Team-Bildung-Maßnahmen, offene Kommunikation und Förderung eines positiven Arbeitsklimas.
  • Konsequenzen für MobberInnen: Unternehmen sollten konsequente Maßnahmen gegen Personen ergreifen, die sich des Mobbings schuldig machen. Das kann Disziplinarmaßnahmen oder sogar Entlassung beinhalten.

Die Verhinderung von Mobbing am Arbeitsplatz erfordert ein aktives Engagement aller Mitarbeitenden und Führungskräfte. Es ist nicht nur die Verantwortung der Geschäftsleitung, sondern aller einzelnen Personen im Unternehmen, einen respektvollen und positiven Arbeitsplatz zu schaffen und aufrechtzuerhalten.

Was sind die langfristigen Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz?

Was sind die Folgen für die Mobbingopfer?

Mobbing am Arbeitsplatz kann für die Mobbingopfer erhebliche, langfristige Folgen haben. Eine der schwerwiegendsten Auswirkungen ist die Entstehung psychischer Gesundheitsprobleme. Das wiederholte und systematische Mobbing kann zu ernsthaften Bedingungen wie Depressionen, Angststörungen und sogar posttraumatischen Belastungsstörungen führen. In einigen Fällen können Mobbingopfer sogar Selbstmordgedanken entwickeln. Neben den psychischen Auswirkungen kann Mobbing auch physische Gesundheitsprobleme verursachen. Der durch das Mobbing am Arbeitsplatz verursachte Stress und die Anspannung können sich in körperlichen Symptomen manifestieren, darunter Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magenproblemen und anderen stressbedingten Krankheiten.

Das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen der Opfer können ebenfalls stark beeinträchtigt werden. Sie können anfangen, an sich selbst zu zweifeln und das Gefühl haben, weniger wert zu sein. Dies kann zu sozialer Isolation führen, da sie sich zunehmend von ihren KollegInnen und möglicherweise von ihrem sozialen Umfeld im Allgemeinen zurückziehen. Darüber hinaus können Mobbingopfer auch mit ernsthaften Karriereproblemen konfrontiert werden. Sie können Schwierigkeiten haben, ihre Arbeit zu erledigen, oder Angst vor dem Arbeitsplatz entwickeln. Im schlimmsten Fall kann dies dazu führen, dass sie ihren Job verlassen oder gekündigt werden. Dies kann eine dauerhafte Auswirkung auf ihre berufliche Laufbahn und ihre Fähigkeit haben, in der Zukunft Arbeit zu finden.

Was sind die Folgen für Unternehmen?

Mobbing am Arbeitsplatz hat auch erhebliche Folgen für Unternehmen, die oft finanzieller und organisatorischer Natur sind. Einer der größten Kostenpunkte für Unternehmen ist die Abwesenheit von Mitarbeitenden durch Krankschreibung. Mobbing kann zu psychischen und physischen Gesundheitsproblemen führen, was dazu führt, dass Betroffene häufiger über eine Krankschreibung verfügen. Dies führt zu Produktivitätsverlusten und kann den Betrieb stören. Darüber hinaus kann es auch zu höheren Kosten für das Gesundheitswesen kommen, wenn Unternehmen eine betriebliche Krankenversicherung anbieten. Außerdem kann Mobbing zu einem erhöhten Personalwechsel führen. Mobbingopfer könnten entscheiden, das Unternehmen zu verlassen, was zu Kosten für die Nachbesetzung der Stelle und die Einarbeitung neuer Mitarbeiter führt. Es kann auch dem Ruf des Unternehmens schaden und es schwieriger machen, qualifizierte Arbeitskräfte anzuziehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Auswirkung auf die Moral und das Engagement der Mitarbeitenden. Ein toxisches Arbeitsumfeld, in dem Mobbing stattfindet, kann die Zufriedenheit der Belegschaft senken und ihr Engagement für ihre Arbeit verringern. Dies kann zu einer insgesamt niedrigeren Produktivität und schlechteren Leistungen führen. Schließlich kann ein Unternehmen auch rechtliche Risiken eingehen, wenn es nicht effektiv auf Mobbing reagiert. 

Rechtlicher Aspekt von Mobbing am Arbeitsplatz

Wenn ArbeitnehmerInnen glauben, dass sie sich in einer Mobbingsituationen befinden, haben sie das Recht, juristische Schritte zu unternehmen. An sich ist Mobbing laut dem deutschen Strafgesetzbuch kein Straftatbestand. Jedoch können mehrere Straftatbestände in Frage kommen, je nachdem welche Form das Mobbing annimmt. Besonders häufig treten in Mobbingsituationen folgende Straftatbestände auf:

  • Beleidigung § 185 StGB
  • Üble Nachrede § 186 StGB
  • Verleumdung § 187 StGB
  • Nötigung § 240 StGB
  • Körperverletzung § 223 StGB
  • Diebstahl § 242 StGB,
  • Sachbeschädigung § 303 StGB

In solchen Fällen können die MobberInnen rechtlich belangt werden und müssen eventuell ein Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Arbeitsrechtlich gesehen, haben ArbeitgeberInnen eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Angestellten. Sie sind verpflichtet, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um Mobbing zu verhindern, und sind bei Kenntnis von Mobbinghandlungen verpflichtet, diese zu unterbinden. Wenn die ArbeitgeberInnen ihren Pflichten nicht nachkommen, können sie rechtlich belangt werden und möglicherweise dazu verpflichtet werden, Schadensersatz zu leisten. Arbeitsgerichte haben in der Vergangenheit festgestellt, dass ArbeitgeberInnen die Fürsorgepflicht verletzen, wenn sie Mobbing nicht verhindern oder unterbinden. Sie können also durchaus dafür verantwortlich gemacht werden, wenn sie ihre Pflichten nicht erfüllen.

Statistiken zu Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz bleibt ein tiefgreifendes Problem, das sich über sämtliche Industriezweige und Karriereniveaus erstreckt. Dies bestätigt eine aktuelle repräsentative Untersuchung des Büroausstatters Viking, die in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut OnePoll und basierend auf den Antworten von 1.000 deutschen ArbeitnehmerInnen durchgeführt wurde. In der Gesamtheit der Befragten gaben mehr als 60 % an, Mobbing an ihrem aktuellen Arbeitsplatz erlebt zu haben: Fast ein Viertel (24 %) der Befragten erklärte, sie seien selbst Opfer von Mobbing geworden, während weitere 37 % zugaben, bereits ZeugInnen von Mobbinghandlungen geworden zu sein Zusätzlich glaubt etwa die Hälfte der Befragten, dass Angestellte in ihrer Firma möglicherweise ungestraft Mobbing betreiben könnten. Hierzu zählen mit insgesamt über 30 % überwiegend Vorgesetzte und Mitglieder der Geschäftsleitung. Darüber hinaus vermutet fast ein Viertel der Beschäftigten, dass ihre direkten Vorgesetzten nicht in der Lage seien, Anzeichen von Mobbing am Arbeitsplatz zu erkennen, und 20 % der Mitarbeitenden bezweifeln, dass ihre Führungskräfte Mobbingsituationen zügig und gerecht lösen könnten.

Wie die Untersuchung weiter aufzeigt, ist das Risiko, Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz zu werden, bei der Generation der Millennials fast doppelt so hoch wie bei den über 55-jährigen Babyboomern. Erstaunlicherweise gab es zwischen den Geschlechtern jedoch keine signifikanten Unterschiede: 25 % der Frauen berichteten, dass sie Mobbing an ihrem aktuellen Arbeitsplatz erlebt haben, und auch fast jeder vierte Mann hat bereits Mobbing im Beruf erfahren. Die Anzahl der TäterInnen unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern nur um 1 %, da 5 % der Frauen angaben, selbst am Arbeitsplatz gemobbt zu haben, während es bei den Männern 6 % waren. 

Die Ergebnisse zeigten außerdem, dass nur jeder sechste Manager großes Vertrauen darin hat, Mobbing-Anzeichen innerhalb der Firma erkennen zu können und lediglich ein Drittel der Führungskräfte (27 %) gab an, eine spezielle Schulung zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz absolviert zu haben. Darüber hinaus fühlte sich nur jede(r) zweite Vorgesetzte mit den geeigneten Prozessen und Werkzeugen (wie z. B. Beschwerdeverfahren, Abmahnungen, Mediation) ausgerüstet, um mit Mobbingfällen am Arbeitsplatz fair und effizient umzugehen. Immerhin sind 53 % der Personalverantwortlichen der Meinung, dass sie verhindern könnten, dass Mobbing am Arbeitsplatz überhaupt erst entsteht. Interessant sind auch hier die unterschiedlichen Resultate in den verschiedenen Altersgruppen. So wünschen sich zum Beispiel 30 % der Millennials, dass Vorgesetzte stärker auf das Verhalten ihrer Mitarbeitenden achten, während 40 % der Babyboomer sich Möglichkeiten zur Weiterbildung im Umgang mit Mobbing wünschen.

Fazit

Mobbing ist eine ernsthafte Herausforderung, die erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsumgebung und das persönliche Wohlbefinden der Betroffenen haben kann. Es ist unerlässlich, Mobbing in all seinen Formen – von verbalen Angriffen und psychischem Druck bis hin zu Online-Anfeindungen – zu erkennen und aktiv dagegen vorzugehen. Jede(r) hat das Recht auf eine sichere und respektvolle Arbeitsumgebung, und niemand sollte sich in der Rolle des Mobbingopfers wiederfinden. Wenn Sie Zeichen von Mobbing bemerken, ergreifen Sie Maßnahmen. Führen Sie ein Mobbingtagebuch, um Vorfälle zu dokumentieren, suchen Sie das Gespräch mit den TäterInnen, wenn möglich, und zögern Sie nicht, Unterstützung von KollegInnen, Vorgesetzten oder externen Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen. ArbeitgeberInnen haben eine gesetzliche Fürsorgepflicht, ihre Mitarbeitenden vor Mobbing zu schützen. Nicht nur das Strafgesetzbuch, sondern auch die Arbeitsgerichte verlangen einen respektvollen Umgang am Arbeitsplatz. Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen können die Folge sein, wenn diese Verantwortung missachtet wird. Es ist eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten, Mobbing zu erkennen, zu verstehen und zu verhindern. Nur so kann eine gesunde, produktive und respektvolle Arbeitsumgebung für alle geschaffen werden.

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