Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz -Was tun?
7. Juli 2021

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – was tun?

Frauen im Büro an den Hintern fassen oder Witze reißen über das Sexualleben von Kolleg:innen? Was früher eventuell noch eine Grauzone oder akzeptiertes Verhalten war, gilt heute als klare Grenzverletzung. Denn sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) seit 1995 in Deutschland verboten.

Was ist und was gilt als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist eine Form der Diskriminierung. Eine Belästigung ist eine unerwünschte Verhaltensweise, die die Würde der betroffenen Person verletzt. Eine sexuelle Belästigung wiederum ist gezielt auf die Sexualität oder sexualisierte Aspekte in der Interaktion mit der betroffenen Person ausgerichtet. 

Als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gelten sexuell bestimmte Handlungen, die die Würde der betroffenen Person verletzen oder verletzen sollen.

Sexuelle Belästigung am findet häufig als Äußerung von anzüglichen Bemerkungen statt. Aber auch bildliche, schriftliche oder körperliche Übergriffe mit sexuellem Bezug gelten als sexuelle Belästigung. 

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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist…

  • Unerwünschte sexuell bestimmte körperliche Berührungen und Körperkontakt
  • Sexuell herabwürdigender Sprachgebrauch (Bemerkungen oder Witze über den Körper oder das Sexualleben einer Person)
  • Gesten und nonverbale Kommentare mit sexuellem Bezug

Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat gezeigt, dass 49 Prozent der erwerbstätigen Frauen und 56 Prozent der Männer in Deutschland schon mindestens eine Situation sexueller Belästigung am Arbeitsplatz erlebt haben.

Dabei sind es vor allem Männer, die sowohl Frauen, Männer und das dritte Geschlecht anhand von sexualisierten Witzen und Kommentaren belästigen.

Über 80 Prozent der Befragten wussten nicht, dass Arbeitgeber dazu verpflichtet sind Beschäftigte vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu schützen.

Besonders schwerwiegend sind sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz, wenn dabei ein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt wird. Wenn z.B. in direktem Zusammenhang mit der Belästigung Vorteile versprochen oder Nachteile angedroht werden.

Sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz können weitreichende Folgen für Beschäftigte und das Unternehmen haben. Viele betroffene Frauen und Männer fühlen sich nicht mehr wohl an ihrem Arbeitsplatz. Das Betriebsklima leidet und die Zahl der Krankheitstage und Kündigungen steigt.

Was tun gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Optimale Arbeitsergebnisse und die effiziente Produktivität einer Organisation hängen in hohem Maße vom vorherrschenden Betriebsklima ab. Arbeitgeber sind deshalb in ihrem eigenen Interesse und vom Gesetzgeber aus dazu verpflichtet aktiv gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und andere Formen der Diskriminierung vorzugehen. Dies beinhaltet sowohl die Einführung von Präventivmaßnahmen als auch die Ahndung sexueller Belästigung.

Eine wichtige Präventivmaßnahme ist die Aufklärung. Mit unserer Online-Schulung „AGG und Gleichbehandlung“ können Sie das Bewusstsein Ihrer Mitarbeitenden schärfen und eine respektvolle Arbeitsumgebung schaffen. Ein wichtiger Grundstein, um Missverständnissen und Grauzonen der sexuellen Belästigung unternehmensübergreifend vorzubeugen. Mit unserer Online-Schulungen lernen Ihre Mitarbeitenden flexibel und praxisnah die wichtigsten Verhaltensregeln der Gleichbehandlung am Arbeitsplatz.

Im Falle sexueller Belästigungen ist es wichtig, dass betroffene Frauen, Männer oder Personen des dritten Geschlechts sich Hilfe holen und den Vorfall bei ihren Vorgesetzten melden. Als Vorgesetzte:r sollten Sie die genauen Angaben dokumentieren und der betroffenen Person ein Gespräch mit einer Vertrauensperson anbieten. Im besten Fall verfügt Ihr Unternehmen bereits über eine Anlaufstelle, an die sich die Opfer sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ohne Hürden wenden können. Die Anlaufstelle bietet emotionalen Schutz und kann gemeinsam mit der betroffenen Person entscheiden, ob es sich bei den Handlungen, um eine Grauzone oder einen eindeutigen Gesetzesverstoß handelt. 

In Ihrem Unternehmensleitbild können Sie zusätzlich eine Null-Toleranz-Politik gegenüber jeglicher Form von Diskriminierung etablieren. Sanktionieren Sie Täter:innen und senden Sie ein klares Zeichen an alle Mitarbeitenden. Das AGG bietet als arbeitsrechtliche Maßnahmen, je nach Schwere der Tat, folgende Maßnahmen nach § 12 Abs. 3 an:

  • Abmahnung
  • Umsetzung
  • Versetzung      
  • Kündigung

AGG Gesetz

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz Gesetz

Definiert wird der Begriff der sexuellen Belästigung in § 3 Abs. 4 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Er geht auf die Richtlinie 2006/54/EG der Europäischen Union (EU) zurück. Diese grundsätzliche Gleichbehandlungsrichtlinie wird in jedem Land der EU unter Berücksichtigung rechtlicher und kultureller Unterschiede, umgesetzt.

In Deutschland ist die sexuelle Belästigung u.a. im Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. Sie kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren geahndet werden. In besonders schweren Fällen nach § 184i Abs. 2 StGB kann eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren festgelegt werden.

Die konkrete Strafe hängt vor allem von der Schwere der Tat und den Vorverurteilungen des Täters ab. Auch das Verhalten nach der Tat kann die Strafe beeinflussen. Eine Strafverfolgung findet in jedem Fall erst nach einer Anzeige statt, es sei denn es besteht ein besonderes öffentliches Interesse.

Auch das Arbeitsrecht regelt in § 75 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) den Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Hierbei geht es vor allem, um die Pflicht der Arbeitgeber und des Betriebsrats auf die Gleichbehandlung im Unternehmen zu achten und Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, Alters oder ethnischen Herkunft zu verhindern. Des Weiteren heißt es im BetrVG „Arbeitgeber und Betriebsrat haben die freie Entfaltung der Persönlichkeit der im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer zu schützen und zu fördern.“

Die Tat der sexuellen Belästigung verjährt gemäß § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB nach fünf Jahren. Danach hat das Opfer keinen Anspruch mehr gerichtlich eine Strafe gegen den oder die Täter:in zu bewirken.

Wehren gegen Vorwurf der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung ist klar zu trennen von sexueller Gewalt und kann von Personen unterschiedlich wahrgenommen werden. Bei sexueller oder sexualisierter Gewalt werden die Bedürfnisse des Täters unter Anwendung von Gewalt auf Kosten der körperlichen oder seelischen Integrität des Opfers befriedigt. Nach § 177 StGB werden sie mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren geahndet. 

Eine sexuelle Belästigung hingegen kann auch eine Berührung sein, die vom „Täter“ ohne böse Absichten ausgeführt wurde. So wird von einigen ein aufmunterndes Schulterklopfen als unangenehmer Körperkontakt empfunden, während der oder die Täter:in sich keiner Schuld bewusst ist. Solche Missverständnisse können beispielsweise leicht auftreten, wenn die Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen oder Generationen stammen. Es ist in jedem Fall wichtig, dass betroffene Personen deutlich machen, dass sie sich belästigt fühlen.

Ein klärendes Gespräch kann dabei helfen die Situation mit gegenseitigem Respekt zu lösen und zukünftige Grenzüberschreitungen zu vermeiden. Ist dies nicht der Fall, ist das Unternehmen dazu verpflichtet die Meldung gewissenhaft zu prüfen. Bei der Bewertung des Verhaltens zählt jedoch nicht nur das subjektive Empfinden des Opfers, sondern auch objektive Maßstäbe. Die persönliche Beziehung zwischen den Personen, der Unternehmenskontext und allgemeine Standards von Sitte und Anstand sind hierbei ebenfalls zu berücksichtigen. Formen von sexueller Belästigung ohne körperliche Berührung sind in Deutschland z.B. nur dann strafbar, wenn eine Beleidigung mit sexuellem Inhalt stattgefunden hat.

Ab wann beginnt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Kritiker befürchten, dass „bald gar nichts mehr erlaubt sei“. Dabei gibt es klare Kennzeichen sexueller Belästigung, die sie beispielsweise von einem Flirt unterscheiden:

Checkliste

checkliste gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Hilfetelefon des Bundes bei sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016

Quellen

Antidiskriminierungsstelle (2021): Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. https://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/was-wir-machen/projekte/bekaempfung-sexueller-belaestigung-am-arbeitsplatz/sexBelaestigung_inhalt.html

Becker, J. H., Ebert, H., Pastoors, S. (2018): Praxishandbuch berufliche Schlüsselkompetenzen. Springer Verlag.

Krings, T. (2019): Sexuelle Grenzverletzungen am Arbeitsplatz. Springer Verlag.

Nienhaus, A. et. al (2015): Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Gesundheitliche Folgen und settingbezogene Ansätze zur Prävention und Rehabilitation. Heidelberg: Springer. doi: 10.1007/s00103-015-2263-x

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