Korruptionsprävention im Unternehmen
15. November 2021

Korruptionsprävention in Unternehmen

Korruption ist keinesfalls eine Bürde undemokratisch geführter Länder. Sie ist als Thema allgegenwärtig in der europäischen Wirtschaft. Bereits 2014 legte die Europäische Kommission einen Bericht vor, der zeigte, dass Maßnahmen zur Korruptionsprävention in den einzelnen EU-Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt werden. Während beispielsweise Dänemark und Neuseeland sich durch eine hohe Integrität auszeichnen, schneiden im internationalen Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) Frankreich oder Belgien deutlich schlechter ab.

Deutschland hingegen befindet sich im oberen Drittel und verzeichnet seit einigen Jahren eine deutlich geringere Anzahl an Korruptionsdelikten als noch 2014. Die häufigsten Vergehen betreffen den Tatbestand der Bestechung. Expert:innen gehen jedoch davon aus, dass nur ca. 20 Prozent aller bestehenden Korruptionsdelikte wirklich aufgedeckt werden.

Korruptionsprävention und Straftaten

Während im Jahr 2014 durch diese 20 Prozent finanzielle Schäden in Höhe von ca. 358 Millionen Euro für die Bundesrepublik Deutschland entstanden sind, sind es im Jahr 2019 noch 47 Millionen Euro gewesen. 

Was genau als Korruption gilt und welche Straftatbestände darunter fallen erfahren Sie hier.

Die größten deutschen Korruptionsskandale der letzten Jahre haben wir hier für Sie zusammengefasst.

  • 21 Prozent der Deutschen fürchten Repressalien, sollten sie Korruption öffentlich machen. Die sogenannte Whistleblower-Richtlinie soll deshalb dem Schutz von Hinweisgeber:innen dienen.
  • 49 Prozent der Deutschen sind hingegen davon überzeugt, dass die Regierung gute Arbeit im Kampf gegen Korruption leistet.
  • 47 Prozent sind davon überzeugt, dass „gewöhnliche“ Menschen einen Unterschied im Kampf gegen Korruption machen können.

Wie entsteht Korruption?

Entgegen der häufigen Annahme haben die Höhe des Bestechungsgeldes und situationsbedingte Faktoren wie der Zeitdruck häufig keinen signifikanten Einfluss auf korrupte Handlungen. Untersuchungen und Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Höhe der Bestechungssumme das korrupte Handeln zwar positiv bewerten kann, jedoch der Impuls zur wirklichen Durchführung von anderen Faktoren abhängt. Viel ausschlaggebender ist die Bewertung des beruflichen und familiären Umfeldes. Wird die Korruption aufgrund von Zeitdruck von den Vorgesetzten begrüßt oder aufgrund der Höhe der Summe von den Familienmitgliedern gebilligt, fällt der betroffenen Person die Grenzüberschreitung leichter. 

Achtung: Auch Unternehmensleitbilder, die nicht konkret auf die Abwehr von Korruption ausgerichtet sind, erhöhen mögliche Korruptionsrisiken, indem sie den Reiz in Bezug auf korrupte Handlungen steigern. Explizite Formulierungen und Konsequenzen im Code of Conduct (Verhaltenskodex) eines Unternehmens sind deshalb deutlich wirkungsvoller in Bezug auf die Korruptionsprävention als eine generelle Aufforderung zur Integrität. 

Ob es wirklich zu einer korrupten Handlung kommt, hängt demnach von drei Faktoren ab:

  1. Wie ist die Einstellung der betroffenen Person zu Korruption?
  2. Wie schätzt die Person die Einstellung zu Korruption in ihrem Umfeld ein?
  3. Wie bewertet sie das Risiko, die korrupte Handlung erfolgreich auszuführen?

Korruptionsprävention und -bekämpfung in den eigenen Reihen gelingt deshalb am wirkungsvollsten über explizite Compliance-Regeln und eine Unternehmenskultur, die Korruption eindeutig ablehnt. Durch die Identifikation der Mitarbeiter:innen mit einer offenen und fairen Unternehmenskultur entsteht ein wirkungsvoller Schutz gegenüber möglichen Versuchungen.

Korruptionsprävention Erklärung

Unternehmen sind dazu verpflichtet, im Rahmen ihres Compliance-Managements Maßnahmen festzulegen, die der Verhinderung von Straftaten aus dem eigenen Unternehmen heraus dienen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen greifen häufig erst ein, wenn die Korruption bereits stattgefunden hat. Dies kostet das Unternehmen jedoch deutlich mehr Ressourcen als eine bestehende Korruptionsprävention.

Verhaltenssicherheit-durch-Code-of-Conduct-im-Unternehmen

Was macht ein(e) Korruptionsbeauftragte(r)?

Der oder die Korruptionsbeauftragte oder auch „Antikorruptionsbeauftragte“ stellt eine unabhängige Stelle dar, der mögliche Korruption gemeldet werden kann. Der oder die Korruptionsbeauftragte prüft daraufhin die Glaubwürdigkeit und strafrechtliche Relevanz des Verdachts. Neben der Funktion als Ansprechperson ist es ebenfalls die Aufgabe des/der Korruptionsbeauftragten sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen im Falle des Korruptionsverdachts zu beraten.

Viele große Unternehmen gründen Compliance-Abteilungen, welche sich ausschließlich mit dem Thema der Korruptionsprävention und den Auswirkungen der Korruption auseinandersetzt. Andere wiederum setzen externe Prüfer:innen ein, um die Risiken im Unternehmen besser beurteilen zu können und Korruption zu verhindern.  

Korruptionsprävention und Compliance Aufgaben

Korruptionsprävention als Teil des Compliance-Managements ist ein wichtiger Bestandteil des Code of Conducts, in dem der firmenweit geltende Verhaltenskodex festgelegt wird. 

Im Rahmen ihrer Compliance sind Unternehmen dazu angehalten, sich an alle gesetzlichen Pflichten, Vorschriften und Richtlinien zu halten und deren Implementierung zu garantieren. Aufgrund dessen ist auch die Transparenz und die Prävention moralischen und ethischen Fehlverhaltens ein wichtiges Thema der UnternehmensCompliance.

Wie Transparency International feststellte, ist die Versuchung der Korruption beispielsweise größer, wenn Verhandlungen mit Geschäftspartner:innen aus Ländern geführt werden in denen Korruption als Kavaliersdelikt gilt. Ebenso steigen die Risiken bei Unternehmen mit vielen internationalen Tochterunternehmen, weil die Geschäftsführung eine geringere Kontrolle über jedes einzelne hat. Die offene Unternehmenskultur, geprägt durch die Compliance, ist deshalb von entscheidender Bedeutung, um das ethische Verhalten der Mitarbeiter:innen zu prägen.

Welche Maßnahmen dienen der Korruptionsprävention? 

Welche Maßnahmen dienen der Korruptionsprävention? 

Das grundlegende Kernelement der Korruptionsprävention im Unternehmen ist die Schulung der gesamten Belegschaft. Eine Belegschaft, die in der Lage ist, Interessenkonflikte rechtzeitig zu erkennen und sich über die Konsequenzen einer möglichen Korruption bewusst ist, bietet dem Unternehmen einen immensen Schutz. 

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Auf diese Weise stärken Sie Ihr Unternehmen von innen heraus und vereinfachen die Einhaltung des Code of Conducts sowie die Durchführung aller weiteren Maßnahmen zur Korruptionsprävention

Im Anschluss ist es von hoher Bedeutung, dass sowohl die Führungsebene als auch die Mitarbeiter:innen sich entsprechend den Empfehlungen des Code of Conducts und den ComplianceRichtlinien ihres Unternehmens verhalten. Das Topmanagement selbst muss hierbei als Vorbild agieren und die Unternehmenswerte vorleben.

Auf Basis des neu erlernten Wissens sollte eine Risikoanalyse, der besonders von Korruption gefährdeten Bereiche untersucht werden. Hierzu gehören meist der Vertrieb und Einkauf, das Rechnungswesen, Abteilungen mit Behördenkontakt oder Geschäftsbeziehungen in korruptionsgefährdete Länder. Auf diese Weise werden der Umfang, die Inhalte und notwendigen Ressourcen der ComplianceOrganisation festgesteckt.

In jenen Bereichen sollten im Sinne des Mehr-Augen-Prinzips mehrere Mitarbeiter:innen für die Kontrolle verantwortlich sein. Ebenso wichtig ist die vollständige Transparenz zur Korruptionsprävention im Unternehmen. Hierfür muss es eindeutige Zuständigkeitsregelungen, ein funktionierendes Berichtswesen, IT-gestützte Vorgangskontrollen und Möglichkeiten der vollständigen Dokumentation geben. 

Mitarbeiter:innen in besonders korruptionsgefährdeten Bereichen sollten sorgfältig ausgewählt werden und in regelmäßigen Zeitabständen ausgetauscht werden.

Korruptionsprävention: Ein Leitfaden für Unternehmen

  1. Formulierung eines Antikorruptionsprogramms im Code of Conduct des Unternehmens
  2. Schulung und Sensibilisierung der Belegschaft
  3. Gestaltung von Arbeitsgruppen zur Korruptionsprävention
  4. Durchführung einer Risikoanalyse
  5. Einsatz des Mehr-Augen-Prinzips
  6. Gewährleistung vollständiger Transparenz
  7. Rotation der Mitarbeiter:innen in gefährdeten Bereichen

Quellen

BMWi (2018). Korruption vermeiden. https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/Korruption-vermeiden.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Graeff, P., Rabl, T. (2019). Was ist Korruption? 2. Auflage. Baden-Baden: Nomos. 

Neubauer, J. (2018). Korruptionsanfälligkeit von Unternehmen. Wiesbaden: Springer.

Rabl, T. (2011). The Impact of Situational Influences on Corruption in Organizations. Journal of Business Ethics. S. 85-101

Statista (2020). Kriminalität in Deutschland: Korruption.

Transparency (2021): Global Corruption Barometer 2021. https://www.transparency.de/publikationen/gcb-2021/

Transparency (2021): Global Corruption Barometer. Europäische Union 2021. https://www.transparency.de/fileadmin/Redaktion/Aktuelles/2021/GCB-2021_Wichtigste_Daten_fuer_Deutschland_auf_einen_Blick.pdf

Psychologie Aktuell (2021). Machen Geld und Zeitdruck bestechlich? Studie zum Einfluss situativer Umstände auf korruptes Handeln. https://www.psychologie-aktuell.com/news/aktuelle-news-psychologie/news-lesen/machen-geld-und-zeitdruck-bestechlich-studie-zum-einfluss-situativer-umstaende-auf-korruptes-handeln.html
Zentes, U., C. (2017). Das Sieben-Säulen-Modell der Korruptionsprävention. Springer: Wiesbaden.

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